Von Stefan Herzog
Verl (gl). Stimmungsvoll mit voller Tribüne verabschiedete sich das Derby am Freitag von der Handball-Oberliga. Weil die SpVg Steinhagen am Sonntagabend beim Tabellenzweiten TuS Spenge verlor, besteht für den TV Verl zwar theoretisch die Chance, die fünf Punkte Rückstand in den verbleibenden drei Saisonspielen noch aufzuholen, mit drei Siegen auch den Vorletzten Brake zu überholen und so zumindest den drittletzten Tabellenplatz und eine eventuelle Relegation zu erreichen. Doch realistisch können die Verler um Teammanager Jasmin Baltic für die Verbandsliga planen. Wie ein Tabellenschlusslicht ist der TV Verl bei der 25:28 (14:14)-Heimniederlage vor annähernd 600 Zuschauern nicht aufgetreten. Aber auf der anderen Seite wurde auch deutlich, warum es nach 60 Minuten für zwei Punkte mal wieder nicht reichte.
Denn während der Tabellendritte aus Isselhorst im ersten Durchgang den noch A-Jugendlichen Jonathan Tölke eine Halbzeit lang erfolgreich im linken Rückraum spielen lassen konnte, um dann einen Felix Marquardt einzuwechseln (und das ist nur ein Beispiel), fehlten auf Verler Seite solche Alternativen. Gefordert in der Abwehr gegen den TVI-Angriff mit einem starken Alexander Wiese oder dem neben Tölke im ersten Durchgang auf rechts überzeugenden Niklas Reckmann, ging den Verlern im Angriff zunehmend die Frische und letzte Entschlossenheit ab.
Einzig Jens Bechtloff, trotz Schmerzen im Knie, war mit seinen genau gezirkelten Würfen immer wieder erfolgreich. Mit den nachverpflichteten Philipp Eliasmöller, Paul Freier und Johannes Dorow, aber auch mit Moritz Altenau, Lennart Voss und Raphael Voßhans musste Torben Gottsleben nämlich auf sechs Spieler verzichten.
„In dieser Hinsicht ist in dieser Saison wirklich alles gegen uns gelaufen", bilanzierte der Verler Trainer, der seiner Mannschaft kämpferisch keinen Vorwurf machte, aber das situative Erkennen von Torgelegenheiten vermisste: „Das war zu eindimensional." Rundum zufrieden war auch Isselhorsts Trainer Stefan Hamsen nicht. ,Wir haben nicht über den Kreis gespielt und auch die Außen nicht eingebunden." Doch die Qualität im Rückraum reichte aus, um die Verler zwar nie abzuschütteln, aber am Ende verdient zu besiegen. Sie durften im zweiten Durchgang sehr lange Angriffe spielen, dadurch sind wir nicht ins Tempospiel gekommen. Es war in der Abwehr okay, aber im Angriff sind wir nicht recht aus den Puschen gekommen", hätte sich Hamsen zumindest 30 erzielte Tore gewünscht.
Dass es insgesamt nicht mehr Treffer wurden, daran hatten auf beiden Seiten auch die jeweiligen Torwartgespanne mit Henri Tigges und Torben Fischedick auf Verler und Patrick Gerloff sowie dem aus der zweiten Mannschaft aushelfenden und klasse haltenden Tom Krull beim TVI ihren Anteil. Während einige Gästefans und vielleicht auch Steinhagener Zuschauer am Ende „Macht sie nieder, schießt sie aus der Liga", skandierten, dürften die direkt Beteiligten, die jeweiligen Vereinskassierer und viele Handball-Interessierte aus der Region das Derby im nächsten Jahr allerdings vermissen.


