Von Stefan Herzog
Verl (gl). Es steht 24:24, als die Verler Oberligahandballerinnen nach der 14. Parade ihrer starken Torfrau Ece Gencer in Ballbesitz kommen und Matthias Foede seine letzte Auszeit nimmt. Da zeigt die Anzeigetafel die Spielzeit von 59:37 Minuten an.
Die offensichtlich erhaltene Trainer-Vorgabe, diesen letzten Angriff im Heimspiel gegen den Tabellenzweiten HSG Petershagen/Lahde lange auszuspielen, setzen die Verlerinnen mustergültig um: Nach 59:59 Minuten kommt Leni Herrmann auf Rechtsaußen zum Wurf und hämmert den Ball hoch und lang ins Toreck. Dann ist Schluss, der Sieg unter Dach und Fach und ein Spiel in allerletzter Sekunde gedreht, das mit dem Gegentor zum 10:14 direkt zu Beginn der zweiten Halbzeit noch in die ganz andere Richtung zu kippen schien.
Denn nach gutem Start hatten sich die Gastgeberinnen mit nicht genutzten Torchancen, mit Würfen an Latte oder Pfosten, aber vor allem mit Fehlern im Aufbauspiel nach 5:4-Führung ins Hintertreffen bugsiert. Uber die Zwischenstationen 5:7, 7:10, 9:12 ging es mit 10:13 in die Pause.
Im zweiten Durchgang nahm Foede nach bereits 37 Minuten das erste Timeout und stellte im Angriff auf das 7:6 um, ließ Torfrau Gencer also für eine zusätzliche Angreiferin auf der Bank. Foede: „Das hatten wir vorher nicht trainiert. Wir sind da quasi ins all in gegangen." Umso mehr freute sich der Trainer gemeinsam mit Co Timon Kreft, dass die mutige Taktik aufging. Basierend auf der guten Abwehrarbeit gegen starke Angreiferinnen wie die fünffache Torschützin Michelle Ahnefeld, die nun durch die A-Jugendliche Jara Jolie Mensendiek kurz gedeckt wurde, stabilisierte sich das Team.
Die Fehlerquote sank, die Trefferquote wurde besser, der Rückstand schrumpfte (14:15, 18:19) und mit drei Treffern in Folge vom 19:22 zum 22:22 war erstmals nach Wiederanpfiff wieder der Gleichstand erreicht.„Wir haben es vorne dann immer wieder akkurat auf den Punkt gespielt", verbuchte Foede den „glücklichen, aber auch durch eine Steigerung erarbeiteten Sieg".
Vor allem im Vergleich zum schwachen Pokalauftritt in der Woche zuvor war das erste Punktspiel in 2026 trotz einiger weiterer Fehler eine klare Verbesserung. Foede: „Das war ein richtig guter Start ins neue Jahr."


